Alphabetische Liste der Nobelpreisträger, die sich gegen den Ausstieg ausgesprochen haben:

  1. G. Charpak (Physik)
  2. C. Cohen-Tannoudji (Physik)
  3. R. Giacconi (Physik)
  4. S.L. Glashow (Physik)
  5. R. Glauber (Physik)
  6. G. 't Hooft (Physik)
  7. T. Hunt (Medizin)
  8. L. Lederman (Physik)
  9. E. Maskin (Wirtschaft)
  10. M. Perl (Physik)
  11. B. Richter (Physik)
  12. R.J. Roberts (Medizin)
  13. C. Rubbia (Physik)
  14. J. Steinberger (Physik)
  15. S.C.C. Ting (Physik)
  16. F. Wilczek (Physik)

 


Carlo Rubbia, Eric Maskin, Martin Perl, Riccardo Giacconi, Leon M. Lederman, Roy Glauber, Samuel Ting

Carlo Rubbia - Nobelpreis 1984
Eric Maskin - Nobelpreis 2007
Martin Perl - Nobelpreis 1995
Riccardo Giacconi - Nobelpreis 2002
Leon M. Lederman - Nobelpreis 1988
Roy Glauber - Nobelpreis 2005
Samuel Ting - Nobelpreis 1976

(Carlo Rubbia, CERN, Nobelpreis für Physik 1984)
(Eric Maskin, IAS Princeton, Nobelpreis für Wirtschaftwissenschaften  2007)

(Martin Perl, Nobelpreis für Physik 1995)
(Riccardo Giacconi, Nobelpreis für Physik 2002)
(Leon M. Lederman, Nobelpreis für Physik 1988)

(Roy Glauber, Nobelpreis für Physik 2005)
(Samuel Ting, Nobelpreis für Physik 1976)

Wir sind tief betroffen über die von Österreich beabsichtigte Zurücklegung der Mitgliedschaft bei CERN, dem weltweit führenden Laboratorium für Teilchenphysik. Die am CERN durchgeführten Experimente werden unser Verständnis der Naturgesetze, die das Universum bestimmen um entscheidende Schritte voran bringen. Österreich hat während seiner 50-jährigen CERN-Mitgliedschaft wertvolle intellektuelle und finanzielle Beiträge geliefert. Die Bedeutung des CERN als Technologiezentrum und als Brücke zwischen Ländern und Kulturen geht weit über die wissenschaftliche Zielsetzung hinaus.

Wir ersuchen die österreichische Bundesregierung nachdrücklich, die Absicht zu überdenken, die CERN-Mitgliedschaft zu beenden. Österreich muss zum Wohle seiner gesamten Bevölkerung in der weltweiten Forschergemeinschaft als aktiver Teilnehmer präsent bleiben und seinen festen Platz an vorderster Front von Wissenschaft und Technologie bewahren.

Brief an Minister Hahn im Original


Georges Charpak - Nobelpreis 1992

(Georges Charpak, Nobelpreis in Physik 1992)

Je pense que la démarche du gouvernement Autrichien relève d'une vision primaire et dangereuse. Elle contribue à vouloir reduire l'Europe à une poussière de petits pays incapables de participer aux aventures passionnantes qui s'ouvrent à nous face aux nouveaux géants et aux problèmes qui nous sont servis par le CERN.

Übersetzung:
Ich bin der Meinung, dass die Vorgangsweise der österreichischen Regierung von einer kleinkarierten und gefährlichen Sichtweise zeugt. Sie trägt dazu bei, Europa auf ein Häuflein kleiner Länder zu reduzieren zu wollen, unfähig, an den spannenden Abenteuern teil zu haben, die sich vor uns angesichts der neuen, riesigen Maschinen des CERN und der damit ermöglichten Problemstellungen eröffnen.

(per email, 17. Mai 2009)


Samuel Ting - Nobelpreis 1976

(MIT Thomas D. Cabott Institute Professor of Physics, Nobelpreis für Physik 1976)

Over the last half century, CERN has made fundamental contributionsto science and instrumentation. It is now a truly world-class Laboratorywhere scientists from all over the world can work together from differentgeographic, political and religious backgrounds. CERN is truly the most successful international collaboration. CERN is now on the verge of major fundamental breakthroughs in science. I urge the Austrian authorities to reconsider their position.

(posting auf hephy.at vom 17. Mai 2009, Authentizität überprüft)

 

 


Tim Hunt - Nobelpreis 2001

(Tim Hunt, Nobelpreis für Medizin 2001)

Ich habe mit Bestürzung erfahren, dass die österreichische Regierung daran denkt, die österreichische Mitgliedschaft am CERN zu beenden. Dies ist ein Land mit einer großen Tradition revolutionärer Molekular- und Atomphysiker ersten Ranges; wie kann es da dem allerneuesten Projekt den Rücken kehren, mit dem die innersten Geheimnisse unserer Universums erforscht werden sollen, noch dazu gerade jetzt, wo man die spannendsten neuen Resultate erwartet? Ich würde dies nachgerade als einen Akt des Vandalismus betrachten, besonders wenn man daran denkt, dass der CERN ein Leuchtfeuer der wissenschaftlichen Zusammenarbeit in Europa darstellt, dessen positive Resultate und Auswirkungen noch viel weiter gehen und nicht bloß die abstrusen Details der Hochenergie-Teilchenphysik betreffen (man denke nur an ein berühmtes konkretes Beispiel, die Erfindung des World Wide Web.)

Ich hoffe sehr, dass diese Entscheidung nochmals überdacht und wieder zurückgenommen wird.


Richard J. Roberts - Medizinnobelpreis 1993

(New England Biolabs, Medizinnobelpreis 1993)

Es erscheint mir seltsam, dass sich Österreich gerade jetzt vom CERN zurückziehen will, wo bedeutende neue Entdeckungen unmittelbar bevorstehen. Österreich hat den CERN doch seit seiner Geburt unterstützt, und da wirkt dies ja wie eine Absage an all die gute wissenschaftliche Arbeit, die dort geleistet worden ist, und wie eine Beleidigung der hervorragenden Physiker, die hier im Laufe der Jahre gearbeitet haben. Ich möchte die österreichische Regierung dringend dazu auffordern, diese schlecht beratene Entscheidung nochmals zu überdenken.

(Kommentar auf www.hephy.at am 14. Mai 2009, Authentizität überprüft)

 

 


Sheldon Lee Glashow - Nobelpreis 1979

(Boston University - Nobelpreis für Physik 1979)

Österreich haben wir Boltzmann, Ehrenfest, Meitner, Pauli, Schrödinger, Weisskopf, Zeilinger und viele andere hervorragende Physiker zu verdanken. Und doch denkt dieses Gründungsmitglied daran, sich vom CERN gerade zum großartigsten Zeitpunkt zurückzuziehen. Ich bedaure diese unverzeihliche Vorgangsweise in schärfster Weise. Was man sich dadurch ersparen kann, wird niemals den Schaden ersetzen, den Österreichs junge Wissenschaftler und sein internationales Ansehen erleiden werden.

(Kommentar auf hephy.at vom 11. Mai 2009, Authentizität überprüft)

 

 


Claude Cohen-Tannoudji - Nobelpreis 1997

(Honorary Professor am Collège de France Physics, Nobelpreis für Physik 1997)

Der CERN ist ein wunderbares Erfolgsbeispiel der europäischen Zusammenarbeit zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung. Hervorragende Erkenntnisse wurden an dieser Einrichtung bereits erzielt, und mit der Entwicklung der Großen Hadronen-Kollisionsmaschine erwarten wir weitere Durchbrüche an der vordersten Front unseres Verständnisses der grundlegenden Wechselwirkungen. Österreich ist ein aktives Mitglied dieser europäischen Kollaboration. Der Erfolg des CERN stellt einen starken Anreiz für die jungen Generationen dar und ermutigt sie dazu, eine wissenschaftliche Laufbahn einzuschlagen. Österreichs Austritt aus dem CERN würde Österreich und Europa großen Schaden zufügen, und dies zu einer Zeit, wo die Entwicklung von Wissenschaft und Technik von entscheidender Bedeutung ist.

Brief im Original

 


Gerard 't Hooft - Nobelpreis 1999

(Spinoza-Institut, Universität Utrecht, Niederlande; Nobelpreis in Physik 1999)

Großforschungsprojekte wie der CERN dienen vielen verschiedenen Zwecken. Für die Wissenschaftler können nur große internationale Institutionen die finanziellen und personellen Mittel bieten, die riesigen Maschinen zu bauen, mit denen sie die Geheimnisse der Natur weiter erforschen und neue Erkenntnisse gewinnen können. Für junge und auch für fortgeschrittene Studenten ist nichts so begeisternd wie die technischen Herausforderungen, die diese gigantischen Strukturen darstellen. Für die Öffentlichkeit zeigen sie, wie die moderne Wissenschaft daran arbeitet, ein logisches Bild der Natur zu erstellen. Für die Politiker zeigen solche Projekte auf einzigartige Weise, wie verschiedene Nationen und Kulturen friedlich bei wichtigen Unternehmungen zusammen arbeiten können.

Viele arme Staaten und Entwicklungsländer haben den Ehrgeiz, dem CERN beizutreten, sobald sie es sich leisten können. Sie möchten ihren Staatsbürgern die Möglichkeit bieten, bei diesen grandiosen Abenteuern der Menschheit mitzuwirken. Ich halte es für die Pflicht aller gut entwickelten, reichen und starken Länder, ihren eigenen Staatsbürgern ebenso wie auch der ganzen Welt zu zeigen, wie wichtig ein guter Wissenschaftsbetrieb ist. Bei einer Kosten-Nutzen-Analyse sollte man auch nicht darauf vergessen, dass eine Welt ohne die moderne Wissenschaft ein Opfer von Krieg, Armut und einer Vielzahl von Naturkatastrophen würde.

Gerard 't Hooft,
Utrecht University


Frank Wilczek - Nobelpreis 2004

(Center for Theoretical Physics, M.I.T. - Nobel Preis in Physics 2004)

Die wissenschaftlichen Aussichten am CERN waren noch nie so viel versprechend und spannend wie gerade jetzt, wo die Große Hadronen-Kollisionsmaschine (Large Hadron Collider, LHC) sich ihrer Betriebsphase nähert. Die Investitionen vieler Jahre in Forschung, Entwicklung und Bau werden nun Früchte tragen. Wir haben allen Grund, Entdeckungen zu erwarten, die in dramatischer Weise unser grundlegendes Verständnis über die Welt und ihre Bestandteile, ihre Funktionsweise, und sogar ihren Ursprung erweitern werden. Das primäre Ziel des CERN ist es zwar, solch grundlegende Fragen anzusprechen, doch gleichzeitig stellt dieses Labor auch eine Schatzkiste von ingenieurtechnischen Wunderwerken dar. Es ist seit langem eine Stätte der Innovation für die Computer- und Kommunikationstechnologie, die Kryogenie, und das Projektmanagement für High-Tech-Projekte im großen Maßstab. Junge Menschen erwerben am CERN Fähigkeiten im Bereich der vordersten Front der Forschung, die sie dann der Wirtschaft und den Hochschulen ihrer Heimatländer zurückbringen.  Deswegen glaube ich, dass der CERN so wie bisher auch weiterhin ausgezeichnete Zinsen für die dort getätigten Investitionen einbringen wird, wenn man  das Ganze nur rein wirtschaftlich betrachtet und noch gar nicht einmal den einzigartigen wissenschaftlichen Wert in Betracht zieht. Außerdem ist der CERN seit seinen Anfängen gleich nach dem Zweiten Weltkrieg bis auf den heutigen Tag ein eindrucksvolles und weithin sichtbares Symbol der europäischen Einheit und kulturellen Lebenskraft. Es wäre ein großer Verlust für Österreich ? die Geburtsstätte von Ludwig Boltzmann, Erwin Schrödinger, Wolfgang Pauli, Victor Franz Hess und Lise Meitner - und ein schwerer Schlag für Europa und die Wissenschaft, wenn Österreich sich nun auf Grund einer kurzsichtigen Denkweise und mangels einer langfristigen Vision vom CERN zurückziehen sollte.


Jack Steinberger - Nobelpreis 1988

(CERN, Nobelpreis für Physik 1988)

An die österreichische Regierung:

Ich arbeite seit langem als Physiker am CERN und habe mit großer Bestürzung erfahren, dass sich Ihr Land möglicher Weise von diesem seit 55 Jahren bestehenden europäischen Gemeinschaftsprojekt zurückziehen könnte. Es stimmt schon, dass Fortschritte in der Teilchenphysik heutzutage sehr schwer zu erzielen sind, da wir während des vergangenen halben Jahrhunderts soviel darüber gelernt haben, und zwar vieles davon am CERN, es stimmt aber auch, dass wir noch sehr vieles nicht wissen, z.B. "was ist die dunkle Materie?" und "wie sieht die Physik bei höheren Energien als ein paar hundert GeV aus?". Die mächtigste Forschungsmaschine der näheren Zukunft in diesem Bereich ist der LHC am CERN, der nunmehr, nach vielen Jahren des Baus unter Mithilfe von Österreich, in Betrieb geht.

Man darf auch nicht vergessen, dass der CERN dem Technologiefortschritt in Europa dient, dass hier neue diagnostische Methoden für die Medizin entwickelt werden, und dass hier die nächsten Generationen von Wissenschaftlern und Technologen ausgebildet werden.

Wenn ich mir noch einen weiteren Kommentar erlauben darf, dann erscheint es mir im besten Interesse von Österreich, jegliche Änderungsvorschläge der CERN-Mitgliedschaft mit den europäischen Nachbarn, welche ebenfalls CERN-Mitglieder sind, zu beraten.

Hochachtungsvoll,

Jack Steinberger,

Nobelpreisträger für Physik 1988


Burton Richter - Nobelpreis 1976

(Stanford Linear Accelerator Center, USA, Nobel Preis für Physik 1976)

Es ist bedauerlich, dass Österreich nach 50 Jahren Mitgliedschaft meint, die Organisation CERN verlassen zu müssen. Der CERN hat gezeigt, wie durch internationale Zusammenarbeit die Wissenschaft Fortschritte in einem Ausmaß erzielen kann, wie es keinem einzigen europäischen Land im Alleingang möglich wäre. Es ist seltsam sich eben jetzt zurückzuziehen, wo die führende Hochenergie-Beschleunigeranlage der Welt, der LHC, in Betrieb gehen soll. Die Anzahl der außereuropäischen Beobachterstaaten, die zu diesem Projekt mit Personal und Geld beigetragen haben, zeigen deutlich, wie wichtig es ist. Natürlich muss Österreich selbst seine Prioritäten setzen, aber ich frage mich doch, ob der CERN-Ausstieg wirklich gut durchdacht worden ist. Natürlich tragen Forschungslabors auch zum Technologiefortschritt bei, und der Beitrag von CERN zum World Wide Web hat der österreichischen Wirtschaft gewiss mehr eingebracht, als alle österreichischen Beiträge über die 50 Jahre der österreichischen CERN-Mitgliedschaft ausgemacht haben.