15. März 2013
Im Rahmen der traditionellen zweiwöchigen Winterkonferenz „Rencontres de Moriond“, welche dieses Wochenende zu Ende geht, präsentierte die CMS Kollaboration eine Vielzahl neuer Resultate, die erstmals auf allen im Jahr 2012 aufgezeichneten Daten beruhen. Besonderes Interesse fanden die neuen Messungen der Produktions- und Zerfallseigenschaften des kürzlich entdeckten Bosons, das nun mit hoher Sicherheit als ein „Higgs-Boson“ identifiziert werden kann.
Die üblicherweise Anfang März stattfindenden Konferenzen der „Rencontres de Moriond“ Serie sind traditionellerweise die erste Gelegenheit, erste Ergebnisse basierend auf Daten, die bis zum Beginn der Winterpause aufgezeichnet wurden, zu präsentieren. Diesmal stand für die Auswertung wenig Zeit zur Verfügung, nachdem die Datennahme am LHC 2012 verlängert worden war. Trotzdem konnte die CMS Kollaboration, an der das Institut für Hochenergiephysik beteiligt ist, eine Vielzahl von Resultaten präsentieren.
Großes Interesse galt dabei neuen Messungen der Eigenschaften des Mitte 2012 entdeckten Kandidaten für das seit langem gesuchte „Higgs-Boson“. Die Analyse der wichtigsten Produktions- und Zerfallsmodi dieses Teilchens wurde nun mit dem vollen Datensatz aus den Jahren 2011 und 2012 wiederholt, was in etwa der 2.5 fachen Datenmenge im Vergleich zum Sommer 2012 entspricht. Die Produktions- und Zerfallsraten konnten dadurch mit grösserer Genauigkeit gemessen werden. Sie sind nach wie vor mit den Vorhersagen des Standardmodells der Teilchenphysik für das Higgs-Boson vereinbar. Erstmals gibt es auch deutliche Anzeichen für einen Zerfall dieses Teilchens in Paare von Fermionen. Ergebnisse einer Analyse der Zerfälle in Z-Bosonen stimmen mit dem vorhergesagten Spin (Eigendrehimpuls) von 0 überein und schließen verschiedene andere Werte mit hoher Wahrscheinlichkeit aus. Das neue Teilchen kann also mit hoher Sicherheit mit dem von Prof. Higgs und Kollegen vorhergesagten Boson identifiziert werden. Genauere Tests der Übereinstimmung mit den Vorhersagen des Standardmodells werden allerdings noch mehr Daten benötigen.
Die Untersuchungen zum Higgs-Boson sind aber bei weitem nicht die einzigen neuen Resultate des CMS Experiments. In der Suche nach „Neuer Physik“ wurden eine Reihe von Hypothesen überprüft, insbesondere die Vorhersagen von Supersymmetrie, einer der vielversprechendsten Erweiterungen des Standardmodells, aber auch Szenarien mit schweren Partnern der W- und Z-Bosonen oder schweren, langlebigen Teilchen. Es wurden keine Anzeichen für die Produktion neuer Teilchen gefunden, und die Existenz dieser Teilchen für Massen bis typischerweise ein bis mehreren TeV (1000 – mehreren 1000 Protonmassen) ausgeschlossen. Die erhöhte Datenmenge erlaubte es auch, Präzisionsmessungen im Rahmen des Standardmodells zu verfeinern. Dabei wurde vor allem die Produktion des schwersten bekannten Teilchens, des top-Quarks, untersucht. Eines der Ergebnisse ist die bisher genaueste Messung des Anteils von top-Quarks, die in ein bottom-Quark und ein W-Boson zerfallen.
Weitere Informationen finden Sie unter:
http://press.web.cern.ch/press-releases/2013/03/new-results-indicate-particle-discovered-cern-higgs-boson
http://cms.web.cern.ch/news/new-cms-results-moriond-electroweak-2013