5. Juli 2012
Reges Interesse an neuen Higgs-Resultaten

Higgs Teilchen aus Plüsch bei der Liveübertragung des Seminars


HEPHY Bibliothek während der Übertragung vom CERN

Am 4. Juli präsentierten die zwei Großexperimente am LHC - CMS und ATLAS – im Rahmen eines Seminars am CERN bahnbrechende neue Ergebnisse. Die Vorträge wurden zeitgleich am Institut für Hochenergiephysik gezeigt, das am CMS Experiment beteiligt ist. Der Inhalt der Präsentationen führte zu lebhaften Diskussionen zwischen HEPHY-Physikern, Kollegen anderer Physikrichtungen und Medienvertretern.

In dem Seminar, das zeitgleich auch zur internationalen "ICHEP" Konferenz übertragen wurde, die heuer in Melbourne, Australien, stattfindet, konnten beide Experimente Resultate zeigen, die auf den gesamten derzeit verfügbaren Daten aus 2011 und 2012 beruhen – die letzten dieser Kollisionen wurden nur zwei Wochen vor dem Seminar aufgezeichnet! Um eine gegenseitige Beeinflussung auszuschließen waren bis zum Seminar die Zahlen nur innerhalb der jeweiligen Kollaboration bekannt. Die Ergebnisse stimmen in beeindruckender Weise überein: beide Experimente berichteten einen Überschuss von Ereignissen mit einer Signifikanz von jeweils 5 Standardabweichungen bei einer Masse von etwa 125-126 GeV (die Wahrscheinlichkeit, einen solchen Überschuss ohne die Existenz eines neuen Teilchens zu beobachten, ist jeweils etwa 1 zu 3 Millionen). . Die subtileren Eigenschaften des neuen Teilchens können mit der derzeit vorliegenden Datenmenge nur mit begrenzter Genauigkeit bestimmt werden. Innerhalb dieser Genauigkeit sind sie mit den Vorhersagen des Standardmodells für das Higgs-Boson verträglich.

In der aus allen Nähten platzenden Bibliothek des HEPHY wurden die Vorträge  mit großem Interesse verfolgt. Im Anschluss daran wurden die vorläufigen Resultate mit den Physikern des Instituts diskutiert. Zahlreiche Medienvertreter nahmen an einer Pressekonferenz teil, die vom stellvertretenden Direktor Manfred Krammer moderiert wurde. Details zu den verschiedenen experimentellen und theoretischen Aspekten dieser bahnbrechenden neuen Beobachtung wurden von dem theoretischen Physiker Wolfgang Lucha (in Wien) und - über Videokonferenz -  der Leiterin der Trigger-Gruppe Claudia-Elisabeth Wulz (aus Melbourne), Direktor Chris Fabjan und dem Leiter der Analyse-Gruppe Wolfgang Adam (aus dem CERN) erläutert. Zu Reichweite und Bedeutung dieses Ergebnisses sagte Chris Fabjan: „Wir stoßen ein neues Fenster zum Verständnis des Aufbaus unseres Universums auf“. Die Entdeckung eröffnet eine eigenen Zweig in der Teilchenphysik: die Erforschung dieses neuen Bosons. Die für den Rest des Jahres 2012 am LHC erwartete Verdreifachung der bestehenden Datenmenge wird einen großen Schritt in diese Richtung erlauben!