Frage: Ist die Forschung am CERN gefährlich?

Antwort: Am CERN werden mit riesigen Apparaturen die kleinsten Bauteile der Materie erforscht. Dies wirkt auf manche Mitmenschen sehr kompliziert und ruft daher mitunter unbegründete Ängste und Sorgen hervor.

Darüber hinaus wird der CERN manchmal in der Literatur bzw. in Verfilmungen (z.B. Illuminati) um fiktive Aspekte bereichert, die eine Bedrohung darstellen, die es aber in der Realität gar nicht gibt.

Der CERN nimmt diese Anliegen sehr ernst und beschäftigt sich ausführlich mit Themen wie Antimaterie oder schwarze Löcher. Eine Vielzahl an Argumenten spricht dagegen, dass durch solche eine ernstzunehmende Gefahr am CERN ausgeht.

Ohne sich auf technische Details einzulassen, kann man auch einfach folgende Überlegung anstellen: Viele CERN-Forscher wohnen mit ihren Familien in der Nähe des Labors, etliche auch innerhalb des LHC-Beschleunigerringes. Man mag ja Wissenschaftern Verschrobenheit unterstellen, aber keiner würde das Leben seiner Kinder für seine Arbeit aufs Spiel setzen.

 


Frage: Wird am CERN wirklich Antimaterie erzeugt wie im Film Illuminati?

Antwort: Im Film wird 1/4 Gramm Antimaterie vom CERN gestohlen und bedroht als Bombe den Vatikan. Auch wenn das nicht nach viel klingt, zerstrahlt Antimaterie bei Kontakt mit normaler Materie (z.B. Luft) nach der Einstein-Formel E=mc2 und setzt damit grosse Mengen Energie frei. Würde es wie im Film tatsächlich gelingen, 1/4 Gramm Antimaterie herzustellen und in einem geeigneten Behälter aufzubewahren, wäre das ein sehr potenter Sprengstoff, in etwa vergleichbar mit der Atombombe, die 1945 Hiroshima zerstörte.

Am CERN wird wirklich Antimaterie hergestellt, allerdings in winzigen Mengen - etwa ein Milliardstel Gramm pro Jahr. Die Lagerung von Antimaterie ist extrem aufwändig und ist nur für kleinste Mengen unter Einsatz komplizierter Geräte und viel Energie möglich. Dementsprechend ist es in Wirklichkeit weder möglich, eine bombentaugliche Menge von Antimaterie herzustellen, noch diese in einem Behälter aufzubewahren.

Wenngleich Buch und Film einige Aspekte des echten CERN richtig beschreiben, sind andere Dinge der Fantasie des Autors Dan Brown entsprungen und damit rein fiktiv. Der CERN informiert auf der eigens eingerichtetet Webseite http://angelsanddemons.cern.ch ausführlich zu diesem Thema.


Frage: Welche österreichischen Wirtschaftsbetriebe arbeiten für den CERN?

Antwort: Zahlreiche namhafte österreichische Firmen erhielten grosse Aufträge CERN. Das Spektrum reicht dabei von klassischen Industriegütern bis zu reinen Dienstleistungen, hier einige Beispiele:

  • Böhler Edelstahl, Kapfenberg: Edelstahl für supraleitende Magneten (Quelle)
  • Kapsch Components, Wien: Optoelektronische Baugruppen für das CMS-Experiment (CMS-Gold-Award 2007)
  • ETM professional control, Eisenstadt: Software zur Prozess-Steuerung ("Wir sind am CERN ganz massiv gewachsen")
  • Uniqa Assurances, Genf (100%-Tochter des österreichischen Uniqa-Konzerns): Kranken-Versicherung für etwa 12.000 CERN-Forscher (rund 38 Millionen Euro Prämienvolumen laut Konzernbericht 2005)

Darüberhinaus profitieren auch viele Klein- und Mittelbetriebe durch ausgelagerte Subkontrakte sowie im Rahmen von projektbezogenen Aufträgen.


Frage: Was kostet Österreich die CERN-Mitgliedschaft?

Antwort: Die 20 Mitgliedsstaaten finanzieren den CERN nach einem Schlüssel, der sich nach Einwohnerzahl und Wirtschaftskraft richtet. Das bedeutet für Österreich etwa 2,2% oder rund 16 Millionen Euro im Jahr (Quelle: CERN). Umgerechnet auf die Bevölkerung bedeutet das etwa einen Kaffee pro Einwohner, einmal im Jahr.

Diese 16 Millionen Euro etspechen 0,48% des heurigen Budgets des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung von 3,4 Milliarden Euro, das heuer über 15% mehr Etat verfügen kann als noch 2008. Für 2010 ist eine weitere zehnprozentige Steigerung auf 3,74 Milliarden Euro ausgewiesen (Quelle: BMWF)

Die 16 Millionen Euro gehen am CERN etwa zur Hälfte in Personalkosten (davon werden auch 53 Österreicher bezahlt), zur anderen Hälfte ins Sachbudget. Von letzterem fliessen etwa 70% zurück an österreichische Wirtschaftsbetriebe. Von 1994 bis 2007 kaufte der CERN Güter um 73 Millionen bei der österreichischen Industrie.


Frage: Welche österreichischen Institute arbeiten mit dem CERN zusammen?

Antwort: HEPHY ist zwar das grösste, aber bei weitem nicht das einzige Institut mit CERN-Kooperation in Österreich:

  • Insitut für Hochenergiephysik (HEPHY) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien
  • Stefan-Meyer-Institut für subatomare Physik (SMI) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien
  • Institut für Theoretische Physik, TU Wien
  • Atominstitut, TU Wien
  • Institut für Theoretische Physik, Universität Wien
  • Institut für Astro- und Teilchenphysik, Universität Innsbruck
  • Fachhochschule Wiener Neustadt
  • MedAustron, Wiener Neustadt


Frage: Wieviele Österreicher arbeiten am CERN?

Antwort: Derzeit insgesamt 173, davon

  • 85 Akademiker von österreichischen Institutionen, die am CERN forschen
  • 53 Akademiker als CERN-Personal
  • 35 Akademiker von nicht-österreichischen Institutionen, die am CERN forschen

Die Zahl der Österreicher am CERN, bezogen auf die Gesamtbevölkerung, liegt höher als in Deutschland, Schweden oder Portugal.


Frage: Gibt es am CERN ÖsterreicherInnen in Führungspositionen?

Prof. Dr. Felicitas Pauss
(Foto: CERN)

Antwort: CERN ist eine sehr grosse Gemeinschaft, und Österreich stellt nur knapp 2% der beteiligten WissenschaftlerInnen. Nichtsdestotrotz gab und gibt es ÖsterreicherInnen in leitenden Positionen. Unter den bisher 16 Generaldirektoren des CERN befinden sich gleich zwei gebürtige Österreicher:

Auch den Präsidenten bzw. Vizepräsidenten des CERN Councils stellte Österreich bereits:

  • Wolfgang Kummer (Präsident 1985-1987)
  • Walter Majerotto (Vizepräsident 1998-2001)
  • Wolfgang Kummer (Vizepräsident 1981-1983)
  • E. F. Buresch (Vizepräsident 1972)

Aktuell befinden sich einige ÖsterreicherInnen in Spitzenpositionen, etwa

  • Felicitas Pauss, verantwortlich für äuswärtige Beziehungen des CERN (sozusagen "Aussenministerin") und 2007 für den Posten des Generaldirektors nominiert
  • Kurt Hübner, Direktor für Beschleuniger am CERN
  • Michael Benedikt, stellvertretender Leiter der Abteilung für Beschleunigerbetrieb
  • Fritz Szoncso, Gruppenleiter der CERN Abteilung General Safety
  • Werner Witzeling, technischer Koordinator des LHCb Experiments
  • Werner Riegler, stellvertretender technischer Koordinator des ALICE-Experiments


Frage: Wie steht es um die Sichtbarkeit der österreichischen Beiträge am CERN?

Antwort: Knapp 2% aller CERN-WissenschaftlerInnen kommen aus Österreich. Dementsprechend würde man nicht erwarten, dass die österreichischen Beiträge besonders auffallen, aber das RECFA-Kommitte (Restricted European Committee for Future Accelerators) urteilt anders:

"...In summary, the committee was deeply impressed by the impact that Austria has made in particle physics, particularly at CERN, which is much larger than the relative small size of the community would suggest. This impact is a tribute to the leadership of the current generation..." (RECFA-Evaluationsbericht 2004 an BM Gehrer)


Weiterführende Informationen

Univ.Prof. DI Dr. Christian Fabjan

(Direktor des Instituts für Hochenergiephysik und Professor an der TU Wien)

Österreich am CERN, 9.5.2009 [PDF]